PROJEKTE

Das Therapeuten-
zimmer

Angetrieben von der Neugierde auf die Inhalte des inneren Lebens, begab ich mich im Rahmen dieser Arbeit in das Feld der Psychotherapie. Über Interviews mit Therapeuten und Patienten erforschte ich die Begebenheiten in diesem Raum und formulierte sie in der Sprache der Produktgestaltung. So wurde Glas zum Äquivalent des omnipräsenten inneren Lebens und die Produkte Repräsentanten der drei wesentlichen Komponenten des Raumes: Der/die Therapeut*in (die Leuchte), der/die Patient*in (die Tempobox) und ihre zwischenmenschliche Beziehung (das Tablett). Durchzogen von Lufteinschlüssen und Schleiern repräsentiert das gegossene Glas die Komplexität eines jeden menschlichen Innenlebens.

Das Tablett

In der therapeutischen Beziehung erarbeiten sich Therapeut*in und Patient*in gemeinsam Erkenntnisse. Dafür taucht der/die Therapeut*in mit dem/der Patienten*in in seine Geschichte ein. So, wie Therapeut*in und Patient*in unterschiedlich tief in der zu behandelnden Geschichte stecken, so stecken die zwei identischen Gläser unterschiedlich tief im Tablett. Jede Beziehung impliziert das Teilen, obgleich es Wasser ist oder Gedanken.

Die Tempobox

Die Tempobox braucht in der Regel nur der/die Patient*in, wenn er einen Gefühlsausbruch bekommt. Damit die Patienten*innen ihre benutzten Taschentücher schnell loswerden können, gestaltete ich den Spender und den Behälter in einem Objekt. Gefühlsausbrüche sind ganz menschliche Reaktionen, aber in der Therapie passieren sie oft in einer besonderen Intensität. Eine Tempobox aus Glas gibt dem Weinen, die hohe Bedeutung die es in der Therapie hat.

Die Leuchte

Wie man die Wahl hat eine Lampe an- und auszuschalten, so kann der/die Therapeut*in unterschiedlich auf das Erzählte reagieren. Wenn der/die Patient*in zum Beispiel in ihm den guten Vater, den er/sie nie hatte, sieht, kann der/die Therapeut*in entscheiden, ob er/sie die Rolle annimmt und darauf reagiert oder lediglich eine Projektionsfläche bietet. Das polierte Glas reflektiert seine Umgebung und steht damit für diese Projektionsfläche. Ist die Leuchte eingeschaltet, scheint das Licht durch das Glas, so wie der/die Therapeut*in die Rolle annimmt und etwas dazugibt.